Frau mit geblümtem Kleid geht mit zwei Rollkoffern durch eine Flughafenhalle.

Urlaubszuschuss für Bedürftige Badehose, Sonnencreme, Fördergelder

Stand: 27.07.2024 09:01 Uhr

Immer mehr Menschen können es sich nicht leisten, eine Woche den in Urlaub zu fahren. Dabei gibt es in vielen Bundesländern Unterstützung vom Staat. Was gilt es dabei zu beachten?

Sigita Paci hat Stress. Zwei Jobs - anspruchsvoll und unterbezahlt - und vier Kinder als alleinerziehende Mutter: Das ist anstrengend. Doch jetzt, wo die Sommerferien beginnen, wird der Stress langsam zu Vorfreude. Wie jedes Jahr geht es für die ganze Familie für zehn Tage nach Südfrankreich. Das ganze Jahr dreht sie dafür jeden Cent um - und bekommt einen Zuschuss von der saarländischen Landesregierung. Denn vor einiger Zeit ist sie auf ein Förderprogramm gestoßen, das eine kleine Auszeit mit der Familie auch für Menschen mit geringem Einkommen möglich machen soll.

"Ich habe ein bisschen im Internet gestöbert", erzählt sie, "und habe geschaut: Was gibt's für Familien? Und durch Zufall bin ich darauf gestoßen." Etwas versteckt auf der Webseite des Ministeriums findet man die Informationen zu dem Förderprogramm. Wer sich für das Programm anmeldet, bekommt für seinen Urlaub pro Kopf und Tag 13 Euro. Bei immer steigenden Urlaubspreisen eine willkommene Entlastung.

13 Länder, 13 verschiedene Zuschüsse

In 13 von 16 Bundesländern gibt es Zuschüsse vom Staat. Nur Baden-Württemberg, Hamburg und Hessen haben keine solche Regelung. Die Bedingungen für die Förderung sind unterschiedlich: In Rheinland-Pfalz gibt es das Geld zum Beispiel nicht pro Kopf, sondern pro Kind - und Bürger aus Niedersachsen dürfen nur in Deutschland Urlaub machen.

Allen gemein ist aber, dass die Familie eine bestimmte Einkommensgrenze nicht überschreiten darf. In Bayern liegt diese Grenze zum Beispiel bei 31.000 Euro brutto im Jahr für den ganzen Haushalt, in Brandenburg wird die Grenze mit einer mathematischen Formel ausgerechnet und hängt unter anderem von der Anzahl der Kinder ab.

Eine entscheidende, hohe Hürde

Sigita Paci hat ihren Antrag bei Nicole Procopio abgegeben. Procopio ist Kurberaterin beim Wohlfahrtsverband AWO - und merkt: Obwohl die Voraussetzungen im Saarland nicht hoch sind, beantragen nur wenige Familien die Förderung. Letztes Jahr hatte sie nur neun Anträge auf dem Schreibtisch. Im ganzen Land waren es 24.

Denn es gibt eine Hürde, die viele potenzielle Urlauberinnen und Urlauber abschreckt: Das Ministerium überweist das Geld erst einige Wochen nach den Ferien - das heißt, die Familien müssen das Geld vorstrecken. Geld, das sie oft nicht haben. Für viele, die Procopio berät, ist das ein Ausschlusskriterium: "Natürlich sagen die Familien auch: 'Es ist ja schon so, dass wir zu wenig Geld haben, um in Urlaub zu fahren. Wie sollen wir denn dann in Vorlage gehen?' Für das Ministerium ist es natürlich eine Sicherheit, dass die Familien auch tatsächlich in Urlaub fahren."

Immer mehr Menschen in der Zielgruppe

Doch das müssen die Antragstellerinnen und Antragsteller sowieso nachweisen: mit Belegen und einer schriftlichen Bestätigung ihres Gastgebers. Für Beraterin Procopio ist klar: Das Sozialministerium sollte auf diese Hürde lieber verzichten - denn im schlimmsten Fall wird der Antrag nicht genehmigt, aber der Urlaub ist schon gebucht. Und das kann sich die Zielgruppe der Förderung schlicht nicht leisten.

Dabei fallen immer mehr Menschen in diese Zielgruppe: 2023 hatte nach Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat fast ein Viertel aller Deutschen kein Geld für einen jährlichen Urlaub. Ein deutlicher Anstieg: 2018 waren es nur rund 13 Prozent.

Förderprogramm "auf dem Prüfstand"

Müsste der Staat also mehr Werbung für die Zuschüsse machen? Das saarländische Sozialministerium antwortet ausweichend. Man werde das Programm auf den Prüfstand stellen. Unter der Hand heißt aus der Wohlfahrtspflege: Die Förderkriterien seien ungewöhnlich weit gefasst - deshalb mache das Ministerium so wenig Werbung.

Im tagesschau.de-Interview sagt Sozialminister Magnus Jung (SPD) dann: Man wolle das Geld für die verwenden, die es wirklich brauchen. Das bedeutet: Mehr Werbung, einfachere Anträge, aber auch schärfere Kriterien. So gibt es im Ministerium im Moment Ideen, zum Beispiel nur Familien zu fördern, in denen es Probleme gibt - sie könnten den Urlaub dann nutzen, um wieder zusammenzufinden. Auch die Jugendämter wären dann in die Urlaubsplanung eingebunden.

Für Sigita Paci hieße das dann, dass sie die Förderkriterien nicht mehr erfüllt. In ihrer Familie gibt es schließlich keine Probleme, nur zu wenig Geld. Sie hofft, dass sie den Zuschuss doch noch weiter nutzen kann, vielleicht wenigstens noch ein paar Jahre. Immerhin macht das saarländische Sozialministerium nicht den Eindruck, als stünde die Reform weit oben auf der To-Do-Liste. Allzu sehr stressen lassen will sie sich von dem Gedanken ohnehin nicht: Jetzt steht erstmal der Sommerurlaub an.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete BR24 am 27. Juli 2024 um 08:55 Uhr.