Schriftzug des DAX über einer Kurskurve
marktbericht

US-Zinsfantasie hilft DAX legt moderat zu

Stand: 04.07.2024 18:10 Uhr

Der DAX ist bei ruhigem Handelsverlauf mit moderaten Gewinnen aus dem Handel gegangen. Die US-Börsen bleiben derweil wegen eines Feiertages geschlossen. Dafür wird es morgen spannend.

Auf dem Frankfurter Börsenparkett herrschte heute bei insgesamt ruhigem Handel verhaltener Optimismus. Die Hoffnung, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre Zinswende alsbald einleiten wird, lockte so manchen Investor an den Markt. Nach zuletzt etwas schwächeren Wirtschaftsdaten spekulieren die Anleger nun auf den September als Startschuss für Zinssenkungen in den USA.

Der DAX schloss am Ende des Tages 0,41 Prozent höher und bei 18.451 Punkten nahe seines Tageshochs, das bei 18.468 Zählern lag. Das Tagestief wurde zur Eröffnung bei 18.375 Punkten markiert. Insgesamt behauptet sich der deutsche Leitindex damit weiter über der Unterstützungsmarke von 18.000 Punkten, was charttechnisch positiv zu bewerten ist. Gestern war der deutsche Leitindex 1,2 Prozent fester auf 18.374 Punkten aus dem Handel gegangen.

Es laufe der nächste Versuch, aus der fast drei Wochen andauernden Handelsspanne nach oben auszubrechen, stellt Jochen Stanzl, Marktbeobachter bei CMC Markets, fest. Der MDAX der mittelgroßen Werte rückte knapp 0,6 Prozent vor.

Allerdings fehlten heute feiertagsbedingt die US-Investoren, zudem war die Nachrichtenlage auch aus dem Unternehmenssektor überschaubar. In den USA wird heute der Nationalfeiertag, der Independence Day, begangen. Auch die Anleihemärkte blieben geschlossen.

Update Wirtschaft vom 04.07.2024

Stefan Wolff, HR, Update Wirtschaft, 04.07.2024 09:00 Uhr

Ab morgen wird es allerdings wieder spannend, wenn die Regierung die Arbeitsmarktdaten für den Juni bekannt gibt - traditionell ein wichtiges Datum für die Notenbank, sieht sie doch durch Lohnzuwächse ein erhebliches Inflationsrisiko. Jüngste schwächere Wirtschaftsdaten hatten Zinsfantasien zuletzt beflügelt. Ob die Märkte mit ihrer Zuversicht richtig liegen, könnte am Freitag nach den neuen Arbeitsmarktdaten ein Stückchen klarer werden.

Schwache Konjunkturdaten würden von der Börse gut aufgenommen, weil sie den Beginn des Zinssenkungszyklus der Fed weiter nach vorne rückten, beschreiben die Experten von Index Radar die Situation. Aus deren Sicht sei das aber ein "Spiel mit dem Feuer": "Bei anhaltend schwächeren Zahlen ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Sorgen über das Ausmaß der konjunkturellen Abschwächung wieder zunehmen." Auch Fed-Chef Jerome Powell hat stets darauf hingewiesen, dass es ein schwieriger Spagat sei, die Inflation zu drücken ohne dabei die Wirtschaft abzuwürgen.

Unter den Einzelwerten im DAX sorgten die Aktien von Continental in der Spitze nach einer Analystenkonferenz des Autozulieferers und Reifenherstellers für Furore. Sie schnellten in der Spitze um bis zu 12 Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit Mitte Juni und notierten zuletzt noch 9,5 Prozent im Plus. Damit stand das Papier mit großem Abstand an der DAX-Spitze.

Conti rechnet in diesem Jahr in Europa zwar weiter mit einem schwierigen Geschäft in der Autozulieferung, auf dem chinesischen Markt aber mit Wachstum. Bei der Preisentwicklung sei der Konzern im zweiten Quartal gegenüber dem Jahresbeginn wie erwartet vorangekommen, hieß es.

Die wieder aufgeflammten Zinssenkungsfantasien in den USA bremsen den Dollar aus, der Euro hält sich im Gegenzug über der Marke von 1,08 Dollar moderat höher. Zuletzt wurden im späten europäischen Handel 1,0814 Dollar bezahlt, etwas mehr als am Morgen. Die schwachen Auftragsdaten aus der deutschen Industrie belasteten den Euro also nicht. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0800 (Mittwoch: 1,0758) Dollar fest.

In Großbritannien wird heute ein neues Parlament gewählt, die Bedeutung für die Märkte dürfte sich nach Einschätzung von Analysten der Bank ING aber in engen Grenzen halten. Es wird mit einem klaren Sieg der oppositionellen Labour-Partei von Oppositionsführer Keir Starmer und einer schweren Niederlage der regierenden Tories gerechnet.

Aktuell legt das Pfund gegen den Dollar leicht zu auf 1,2760 Dollar, die Schwankungen sind damit gering. Die begrenzte Marktreaktion sei darauf zurückzuführen, dass Labour schon seit einiger Zeit in den Umfragen konstant vorne gelegen habe, sagt Jane Foley, Leiterin der Devisenstrategie bei Rabobank. Zudem habe es Starmer verstanden, Investoren und Wähler davon zu überzeugen, dass die Partei in die politische Mitte gerückt sei.

Derweil hält die konjunkturelle Unsicherheit an: Die Durststrecke der deutschen Industrie setzt sich mit dem fünften Auftragsminus in Folge fort. Die Bestellungen sanken im Mai überraschend um 1,6 Prozent zum Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt mit. Ökonomen hatten im Schnitt hingegen mit einem leichten Anstieg gerechnet.

"Der Abwärtstrend ist noch immer in vollem Gang", sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Für das abgelaufene Quartal zeichne sich ein klares Auftragsminus ab. "Es bleibt zu hoffen, dass die Weltwirtschaft ein noch weiteres Abrutschen abmildert."

Unterdessen spitzt sich der Handelsstreit mit China zu. Die EU-Kommission erhebt ab morgen die vorläufigen Strafzölle auf Importe von Elektroautos aus China. "Die Ausgleichszölle gelten ab dem 5. Juli für eine Dauer von höchstens vier Monaten", teilte die EU-Behörde heute mit.

Die Kommission hatte am 12. Juni die Zollaufschläge auf den bisher geltenden Satz von zehn Prozent angekündigt und mit hohen Subventionen der chinesischen Regierung für die E-Autoproduktion über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg begründet. Das schaffe einen unfairen Vorteil gegenüber der europäischen Autoindustrie und gefährde deren erfolgreiche Umstellung auf E-Autos.

Airbus hat einen Großauftrag für ein Satellitensystem im Wert von 2,1 Milliarden Euro von der Bundeswehr erhalten. Der Auftrag umfasse Satelliten und die dazugehörenden Bodenstationen sowie den Start und Betrieb des Systems über 15 Jahre, teilte der Luftfahrt- und Rüstungskonzern am Donnerstag mit. Michael Schoellhorn, bei Airbus zuständig für das Raumfahrt- und Rüstungsgeschäft, sagte, der Auftrag stärke die strategische Partnerschaft mit der Bundeswehr.

Teil des Auftrags sind den Angaben zufolge zwei neue Telekommunikationssatelliten, welche die Satelliten COMSATBw B und 2B ablösten. Die Satelliten mit einem Gewicht von etwa sechs Tonnen verfügten über umfangreiche Fähigkeiten, um mit dem steigenden Datenübertragungsvolumen Schritt zu halten. Zentrale Teile der Satelliten und der Betrieb des Raumfahrzeugs kämen aus Deutschland. Die Satelliten sollten noch vor Ende des Jahrzehnts in Betrieb genommen werden.

Vodafone investiert in diesem Jahr rund 140 Millionen Euro in Systeme mit Künstlicher Intelligenz (KI) von Microsoft und OpenAI, um die Beantwortung von Kundenanfragen zu verbessern. Durch den Einsatz einer fortgeschrittenen KI reagiere der Chatbot "TOBi" schneller als bislang und löse Kundenanliegen effektiver, teilte das Unternehmen mit.

Die Online-Apotheke Redcare Pharmacy ist im zweiten Quartal sowohl beim Umsatz wie auch bei der Kundenzahl gewachsen. Angetrieben durch ein Wachstum bei verschreibungspflichtigen Medikamenten mit der Einführung des elektronischen Rezeptes schnellten die Konzernerlöse nach ersten Berechnungen um ein Drittel auf 560 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr summierte sich damit der Umsatz auf 1,12 Milliarden Euro (plus 41,4 Prozent). Der aktive Kundenstamm stieg um 1,4 Millionen auf 11,6 Millionen.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. Juli 2024 um 09:00 Uhr.